Ausgeförderte PV-Anlagen

Die EEG-Förderung meiner Solaranlage läuft aus – was tun?

Das Jahresende 2020 brachte für viele Energiewende-Pioniere eine wichtige Änderung mit sich: Erstmals liefen die EEG-Vergütungen für die im Jahr 2000 oder früher installierten Anlagen aus. Seitdem erreichen zu jedem Jahreswechsel immer mehr Anlagen ihr jeweiliges Förderende.

Insbesondere für kleine Solaranlagen gab es zunächst viel Unsicherheit, wie es dann mit diesen weitergeht. Mit dem EEG 2021 wurden aber passende Rahmenbedingungen für diese ausgeförderten Anlagen geschaffen. Besitzer:innen solcher so genannten Post-EEG-Anlagen haben nun mehrere Möglichkeiten.

Der Stand ab Jahresbeginn 2021

Das ab dem 1. Januar 2021 gültige EEG definiert erstmals die Klasse der „ausgeförderten Anlagen“. Hierunter fallen all jene Anlagen, die nach 20 Betriebsjahren keine reguläre Einspeisevergütung mehr erhalten. Das Gesetz stellt klar, dass diese Anlagen auch weiter ihren Strom ins Netz einspeisen können und die produzierten Mengen vom Netzbetreiber abgenommen werden müssen. 

Vergütet wird dieser Strom mit dem Jahresmarktwert, den die Solareinspeisung an der Strombörse bringt, und nicht mehr mit gesetzlich festgelegten Fördersätzen. Abgezogen werden zudem noch Vermarktungskosten von 0,4 ct/kWh. Diese Regelung ist erst einmal bis zum Jahresende 2027 festgeschrieben.

2020 lag dieser Jahresmarktwert bei knapp 2,5 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) und befand sich damit coronabedingt auf einem Tiefststand. Für viele Betreiberinnen und Betreiber der ersten Stunde sanken die Einnahmen aus der Solarstromerzeugung damit zunächst deutlich, im Einzelfall können sie sogar die Betriebskosten unterschreiten. 2021 stieg dieser Jahresmarktwert durch generell hohe Energiepreise an den Großhandelsmärkten auf den Rekordwert von über 7,5 ct/kWh. Das ist zwar immer noch weniger als viele Altanlagen ursprünglich an Vergütung bekamen, aber sogar mehr als die Förderung von Neuanlagen und sollte eigentlich immer für einen kostendeckenden Weiterbetrieb ausreichen.

Diese Extremwerte der letzten beiden Jahre zeigen aber auch die verstärkte Unsicherheit hinsichtlich der erwartbaren Erträge, mit der Solarstrompioniere nun umgehen müssen. Immerhin kann die Anlage ohne jedes Zutun weiterbetrieben werden und generiert noch kleinere Erlöse – das wäre zuvor nicht so ohne Weiteres möglich gewesen. Und zudem ist nun auch die Nutzung des Stroms als Eigenbedarf möglich und eine attraktive Option.

Eigenverbrauch ist deutlich vereinfacht

Der Eigenverbrauch ist eine attraktive Variante, um kostengünstigen Solarstrom nach dem Ablauf der Förderung zu nutzen – dies gilt insbesondere in den aktuellen Hochpreisphase an den internationalen Energiemärkten. Das EEG 2021 regelt nämlich auch, dass auf die eigene Nutzung des Solarstroms aus der ausgeförderten Anlage keine anteilige EEG-Umlage entfällt. Zudem wurde die Größenbegrenzung, bis zu der diese Befreiung gilt, auf Anlagen bis zu einer Leistung von 30 Kilowatt (kW) bzw. auf eine Strommenge von jährlich 30.000 Kilowattstunden angehoben – das gilt übrigens auch für alle Neu- und Bestandsanlagen in der Förderung. 

Zudem ist klar geregelt, dass die Netzbetreiber auch nur kleinste Überschussmengen abnehmen und dafür den Marktwert durchleiten müssen. Zwar sind bei den alten Anlagen, die bisher im Regelfall auf Volleinspeisung ausgerichtet waren, für die Eigenbedarfsnutzung einige Umbauten nötig. Diese können sich aber durchaus rechnen, auch wenn immer eine Einzelfallbetrachtung vonnöten ist. 

Der Einbau teurer intelligenter Messtechnik ist übrigens nicht nötig. Wer dennoch freiwillig einen Smart Meter verbaut, reduziert die für die Einspeisemengen abgezogenen Vermarktungskosten um die Hälfte auf 0,2 ct/kWh.

Direktvermarktung als perspektivische Option

Theoretisch ist statt einer Abnahme des Solarstroms auch eine Lieferung an einen Direktvermarkter möglich. Gerade für die zunächst betroffenen Kleinanlagen unter 30 kW ist dies aber unter den bestehenden Rahmenbedingungen keine realistische Option, die Kosten für die notwenige Messtechnik und die Entgelte sind viel zu hoch, weshalb auch eigentlich kein Vermarkter Angebote für entsprechende Anlagen macht.

Dies sollte sich perspektivisch, allerspätestens mit dem Auslaufen der jetzigen Regelungen im Jahr 2027 ändern – wir haben hierzu schon Mitte 2020 einen einfachen naturstrom-Vorschlag Weiterbetrieb Solaranlagen">Vorschlag zum Umgang mit ausgeförderten Solaranlagen vorgelegt, der den Betreibern viel mehr Spielraum lassen würde. Einige Punkte wurden immerhin berücksichtigt, die einfacheren Vermarktungsmöglichkeiten wurden von Bundesregierung und Regierungsfraktionen allerdings noch nicht adressiert.

Weitere Informationen:

Hinweis von Bündnis Bürgerenergie, Deutscher Gesellschaft für Sonnenenergie, EnergieAgentur.NRW, Solarenergie Förderverein Deutschland und Verbraucherzentrale NRW für Betreiber:innen von demnächst ausgeförderten Solaranlagen: https://www.sfv.de/hinweis-fuer-betreiber-von-ue20-photovoltaikanlagen