Ausgeförderte PV-Anlagen

Die EEG-Förderung meiner Solaranlage läuft aus – was tun?

Das Jahresende 2020 bringt für viele Energiewende-Pionier:innen eine wichtige Änderung mit sich: Die EEG-Vergütung für die im Jahr 2000 oder früher installierten Anlagen läuft aus.

Mit der am 17. Dezember verabschiedeten EEG-Novelle hat der Gesetzgeber nun Rahmenbedingungen speziell für diese ausgeförderten Anlagen geschaffen. Anlagenbetreiber:innen haben nun mehrere Möglichkeiten.

Der neue Stand ab Jahresbeginn 2021

Die ab dem 1. Januar 2021 gültige Fassung des EEG definiert erstmals die Klasse der „ausgeförderten Anlagen“. Hierunter fallen all jene Anlagen, die nach 20 Betriebsjahren keine reguläre Einspeisevergütung mehr erhalten. Das neue EEG stellt klar, dass diese Anlagen auch weiter ihren Strom ins Netz einspeisen können und die produzierten Mengen vom Netzbetreiber abgenommen werden müssen.

Vergütet wird dieser Strom allerdings nur noch mit dem Jahresmarktwert, den die Solareinspeisung an den Strombörsen bringt und nicht mehr mit gesetzlich festgelegten Fördersätzen. 2019 lag dieser Jahresmarktwert bei knapp 3,8 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) – 2020 wird er coronabedingt zwar deutlich niedriger ausfallen, 2021 ist aber eine Erholung absehbar. Abgezogen werden zudem noch Vermarktungskosten von 0,4 ct/kWh. Diese Regelung ist erst einmal bis zum Jahresende 2027 festgeschrieben.

Für viele Betreiber:innen der ersten Stunde sinken also die Einnahmen aus der Solarstromerzeugung deutlich, im Einzelfall können sie sogar die Betriebskosten unterschreiten. Immerhin kann die Anlage ohne jedes Zutun weiterbetrieben werden und generiert noch kleinere Erlöse – das wäre zuvor nicht so ohne Weiteres möglich gewesen. Und zudem ist nun auch die Nutzung des Stroms als Eigenbedarf möglich und eine attraktive Option.

Eigenverbrauch wird deutlich vereinfacht

Eine Möglichkeit, die Kostenbilanz der alten Solaranlage deutlich zu verbessern ist der Eigenverbrauch. Mit der EEG-Novelle hat der Gesetzgeber nämlich auch geregelt, dass auf die eigene Nutzung des Solarstroms aus der ausgeförderten Anlage keine anteilige EEG-Umlage entfällt. Zudem wurde die Größenbegrenzung, bis zu der diese Befreiung gilt, auf Anlagen bis zu einer Leistungsgröße von 30 Kilowatt (kW) bzw. auf eine Strommenge von jährlich 30.000 Kilowattstunden angehoben – das gilt übrigens auch für alle Neu- und Bestandsanlagen in der Förderung.

Zudem ist klar geregelt, dass die Netzbetreiber auch nur kleinste Überschussmengen abnehmen und dafür den Marktwert durchleiten müssen. Zwar sind bei den alten Anlagen, die bisher im Regelfall auf Volleinspeisung ausgerichtet waren, für die Eigenbedarfsnutzung einige Umbauten nötig. Diese können sich aber durchaus rechnen, auch wenn immer eine Einzelfallbetrachtung vonnöten ist.

Anders als zunächst geplant ist der Einbau und Betrieb teurer intelligenter Messtechnik für kleinere Anlagen vom Tisch, erst ab einer Anlagengröße von 7 kW wird dies perspektivisch verpflichtend. Das verbessert die Kostenbilanz beim Weiterbetrieb gegenüber den zunächst kursierenden Plänen noch einmal. Und immerhin halbieren sich mit einem Smart Meter, ob verpflichtend oder freiwillig verbaut, auch die für die Einspeisemengen abgezogenen Vermarktungskosten um die Hälfte auf 0,2 ct/kWh.

Direktvermarktung als perspektivische Option

Theoretisch ist statt einer Abnahme des Solarstroms auch eine Lieferung an einen Direktvermarkter möglich. Gerade für die zunächst betroffenen Kleinanlagen unter 30 kW ist dies aber unter den bestehenden Rahmenbedingungen keine realistische Option, die Kosten für die notwendige Messtechnik und die Entgelte sind viel zu hoch, weshalb auch eigentlich kein:e Vermarkter:in Angebote für entsprechende Anlagen macht.
Dies sollte sich perspektivisch, allerspätestens mit dem Auslaufen der jetzigen Regelungen im Jahr 2027 ändern – wir haben hierzu schon vor Monaten einen einfachen Vorschlag zum Umgang mit ausgeförderten Solaranlagen vorgelegt, der den Betreiber:innen viel mehr Spielraum lassen würde. Einige Punkte wurden immerhin berücksichtigt, die einfacheren Vermarktungsmöglichkeiten wurden von Bundesregierung und Regierungsfraktionen allerdings noch nicht adressiert.

Weitere Informationen:

Hinweis von Bündnis Bürgerenergie, Deutscher Gesellschaft für Sonnenenergie, EnergieAgentur.NRW, Solarenergie Förderverein Deutschland und Verbraucherzentrale NRW für Betreiber:innen von demnächst ausgeförderten Solaranlagen: https://www.sfv.de/hinweis-fuer-betreiber-von-ue20-photovoltaikanlagen