Bürgerenergie: Solarpark Uttenreuth

Für die friedliche Nachnutzung eines brachliegenden Armeegeländes braucht es nur eine innovative Idee. So geschehen in Uttenreuth. Wo früher US-amerikanische Munition lagerte, sorgt seit 2014 ein Sonnenkraftwerk für eine unabhängige Stromversorgung in Bürgerhand.      

Sonnenstrom statt Munition

Es ist der 28. Oktober 2014, als Dieter Emmerich am ersehnten Ziel jahrelanger Bemühungen ist. Denn an diesem Tag erwirbt seine Genossenschaft - die EWERG eG - eine Teilanlage des östlich von Erlangen gelegenen Solarparks Uttenreuth.

Diese Solaranlage ist nicht wie jede andere. Im Gegenteil: So ziemlich alles hier ist anders gelaufen als üblich. „Hochinteressant“ nennt Dieter Emmerich das Projekt - und das fängt bereits beim Anlagenstandort an. Ringsum kilometerweit dichter Wald, darin eine künstlich in den bayerischen Forst geschlagene Freifläche. Während des Kalten Kriegs lagert die US-Armee hier Munition in Betonbunkern. Ende der 70er, als die Sache publik wird, ist der Fall ein Politikum. Nach dem Abzug der letzten Soldaten und der Räumung des Geländes in den 90er Jahren liegt die 15 Hektar große Fläche etliche Jahre brach.

Vom schwarzen Fleck zum Solarkraftwerk

Bis bei NATURSTROM ab 2011 die Idee reift, die Fläche mit einem Sonnenkraftwerk zu nutzen. Das Problem: Das Areal gehört zu keiner Gemeinde und ist deshalb planungsrechtlich ein schwarzer Fleck. Um einen Bebauungsplan erstellen zu können, muss das Gelände zuerst – quasi als Exklave – nach Uttenreuth eingemeindet werden. Eine gewaltige bürokratische Hürde. Doch man hat Glück: Sowohl die Bayerischen Staatsforsten als auch die Gemeinde Uttenreuth zeigen sich kooperativ und unterstützen das Anliegen.

Als dieser Schritt im Januar 2013 schließlich gemeistert ist, warten bereits die nächsten Herausforderungen: Um die Photovoltaik-Anlage überhaupt errichten zu können, müssen die Bunker aufgefüllt und das Gelände anschließend eingeebnet werden - eine aufwendige und langwierige Aufgabe, welche die Bayerischen Staatsforsten übernimmt. Außerdem ist der Buckenhofer Forst für den Umweltschutz von hoher Bedeutung, wird er doch zur Trinkwassergewinnung für die Stadt Erlangen genutzt und beherbergt seltene Tierarten. Es benötigt viele Gespräche mit den Stadtwerken Erlangen und der Naturschutzbehörde, bis ein von allen Beteiligten getragenes Konzept für die Errichtung der Solaranlage vorliegt.

Lange Vorarbeit, schnelle Errichtung

Nachdem alle Voraussetzungen erfüllt sind und mit sieben Hektar fast die Hälfte des Terrains aufgefüllt ist, laufen die Bauarbeiten recht zügig ab - es braucht keine acht Wochen, um die rund 11.500 Solarmodule zu montieren. Am 31. Juli 2014 geht die Anlage schließlich mit 2.956 Kilowattpeak installierter Leistung ans Netz.   

Obwohl NATURSTROM die Anlage als Generalunternehmerin errichtet, wird von Projektbeginn an Wert darauf gelegt, das Solarkraftwerk zu einem Projekt von vielen zu machen und möglichst viel Wertschöpfung in der Region zu belassen. Eine Bedingung, die sozusagen zur DNA von NATURSTROM dazugehört und seit Jahren praktiziert wird - sei es durch finanzielle Förderung, Beratung oder Kooperation bei konkreten Bürgerenergieprojekten.

Kooperation mit drei Bürgerenergiegenossenschaften

Bereits während der Projektierungs- und Bauphase besteht deshalb intensiver Kontakt zu Energiegenossenschaften aus den umliegenden Städten und Landkreisen. Die PV-Anlage wird schließlich in 42 Teilanlagen gegliedert, die nach der Fertigstellung dann von den Bürger-Energiegesellschaften erworben werden können. Mit von der Partie sind drei Bürgerenergiegenossenschaften: Die EWERG eG aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt übernimmt  14 Teilanlagen, die Bürger-für-Bürger Energie eG aus dem Landkreis Forchheim zehn Teilanlagen und die KlimaschützerInnen eG aus Forchheim, einen Anteil. Insgesamt sind am Projekt über 400 Bürgerinnen und Bürger beteiligt.

Die verbleibenden 17 Teilanlagen werden von der NaturStrom Erzeugung Oberfranken GmbH & Co. KG erworben, einer von NATURSTROM initiierten regional ausgerichteten Betriebsgesellschaft, die in der Region zwischen Erlangen, Bamberg und Bayreuth mehrere Regenerativ-Kraftwerke betreibt.

„Der Betrieb der Anlage erweist sich seit 2014 als erfreulich“, so Stephan Riedel, Leiter der technischen Betriebsführung bei NATURSTROM. „Die Ertragsprognose von 3 Millionen Kilowattstunden wird bislang jedes Jahr übererfüllt. Die Anlage liefert rechnerisch demnach genug Strom, um über 1.000 Haushalte zu versorgen und dabei jährlich über 1.500 Tonnen an CO2-Emissionen einzusparen.“     

Genossenschaft EWERG bietet Regionalstromtarif an

Aus der Zusammenarbeit beim Solarpark Uttenreuth hat sich zwischen der EWERG eG und NATURSTROM eine vertrauensvolle Partnerschaft entwickelt. Sie bieten gemeinsam den regionalen Stromtarif bavariastrom in Erlangen und Erlangen-Höchststadt an. Der Stromtarif bezieht den Strom unter anderem aus der Solaranlage auf dem ehemaligen Militärgelände und ist deutlich günstiger als der örtliche Grundversorger-Stromtarif. Die Genossenschaft ist exklusiver Vertriebspartner und kümmert sich um die Kommunikation vor Ort, während NATURSTROM die energiewirtschaftlichen Prozesse übernimmt.

Erweiterung des Solarparks geplant

Während die erste Episode des Solarparks Uttenreuth erfolgreich realisiert wurde, ist eine Fortsetzung bereits in Planung. Denn NATURSTROM will die Anlage in einer zweiten Bauphase erweitern. Ein Ziel, das auch Dieter Emmerich von der EWERG eG teilt: „Die bisherige Zusammenarbeit der drei Bürgerenergiegenossenschaften und NATURSTROM in Uttenreuth zeigt, dass wir hier ein gutes Modell gefunden haben. Die Erweiterung des Solarparks ist auch unser Wunsch. Wir werden die Bürgerinnen und Bürger gerne wieder finanziell daran beteiligen.“

Das Baurecht für die gesamte rund 15 Hektar große Fläche liegt NATURSTROM bereits vor - Voraussetzung für die Erweiterung ist jedoch die Einebnung des restlichen Geländes durch die Bayerischen Staatsforsten. Stephan Riedel ist in dieser Sache zuversichtlich: „Im Idealfall können wir bereits 2018 eine weitere Teilanlage installieren. So oder so - eine Vergrößerung ist fest eingeplant.“  

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