Wärme-Innovation im Naturpark

„Hier hat Zukunft Tradition“ - so lautet der Landes-Slogan von Thüringen. Die kleine Gemeinde Bechstedt im Thüringer Wald hat sich den Spruch zu Herzen genommen, eine Energiegenossenschaft gegründet und versorgt sich seit 2012 selbst mit nachhaltiger Wärme.

Eigentlich ist das Gebäude am Ortsrand von Bechstedt im Thüringer Schiefergebirge eher unscheinbar. Doch verbirgt sich dort der Grund, warum die 150-Seelen-Gemeinde im Jahr 2014 einen bundesweiten Wettbewerb für sich entschied. Tatsächlich handelt es sich um die Heizzentrale von Bechstedt, in der ein Holzvergaser-Blockheizkraftwerk und ein Biomasse-Heizkessel wummernd ihre Arbeit tun und via Nahwärmenetz mehr als die Hälfte der Haushalte im Ort mit nachhaltig erzeugter Wärme versorgen.

Entstanden ist dieses Beispiel für die oft geforderte und selten umgesetzte Wärmewende durch das Engagement der Menschen vor Ort. Und auch hier in Bechstedt machten einige wenige Personen den Unterschied. Angetrieben vom ökologisch begeisterten Ortsbürgermeister Jürgen Patschull und dem Kulturwissenschaftler Burkhardt Kolbmüller reift ab dem Jahr 2010 die Idee, in der Gemeinde eine eigene nachhaltige Energieversorgung zu schaffen.

Ideen und Inspiration durch gelungene Projekte

Um sich dem Thema zu nähern, machen sich die Bechstedter gemeinsam auf die Reise. Mehrere Busexkursionen zu Bioenergiedörfern in Niedersachen und Franken zeigen, was möglich ist und überzeugen die Beteiligten von der Machbarkeit. Schließlich fällt die Entscheidung, sich der Herausforderung zu stellen. Zumindest beim Thema Brennstoff muss man nicht lange überlegen -  ergibt sich dieser durch die Lage im Naturpark Thüringer Wald eigentlich schon von selbst: "Wir dachten uns, wir nehmen das Holz, das hier überall anfällt, und bekommen Strom und Wärme unabhängig vom Öl", erinnert sich Burkhardt Kolbmüller, Vorstand der Energiegenossenschaft Bechstedt eG.

Und so macht man sich umgehend an die Umsetzung: Genossenschaftsgründung im Februar 2012, Konzepterstellung und Anlagenplanung in den Folgemonaten, Spatenstich im September, Verlegung des 1,2 Kilometer langen Nahwärmenetzes in Eigenregie und Inbetriebnahme der Heizzentrale am 20. Dezember 2012.

Wärme und Strom aus regionalem Restholz

Technisch entscheiden sich die frischgebackenen Genossinnen und Genossen für einen Holzhackschnitzel-Heizkessel und ein Holzvergaser-BHKW (Blockheizkraftwerk). Der Holzvergaser gewinnt aus Holz ein brennbares Gas, das im BHKW dann in Wärme und Strom umgewandelt wird. Die Einnahmen aus der Stromeinspeisung senken den Heizpreis der Genossenschaftsmitglieder.

Um den Wärmebedarf der 32 angeschlossenen Haushalte zu decken, braucht es im Sommer nur das Holzvergaser-BHKW. Mit seiner Leistung von 45 Kilowatt (kW) elektrisch und 100 kW thermisch produziert es aber selbst ohne den Heizkessel oftmals noch Wärmeüberschüsse. Diese werden genutzt, um die regionalen Holzhackschnitzel - die vorwiegend aus Landschaftspflegeholz stammen - zu trocknen. In der kalten Jahreszeit kommt dann der Hackschnitzel-Heizkessel mit einer Leistung von 400 kW thermisch hinzu und sichert die Wärmeversorgung des Ortes.

Der Ökostrompionier NATURSTROM steht der Genossenschaft von Anfang an beratend zur Seite und unterstützt sie im Rahmen des Grüner Strom Labels auch finanziell. 

Auszeichnung vom Bundesministerium

Die Aktivität der Genossenschaft bleibt nicht unbemerkt - auf Tagungen und in Fachbroschüren gilt Bechstedt als Vorzeigebeispiel. Im Jahr 2014 gewinnt die Gemeinde gar einen bundesweiten Wettbewerb und wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung als „Bioenergiedorf“ prämiert. Ein toller Erfolg.

Jedoch gibt es auch Schwierigkeiten. Der Vergaser hat mit dem Landschaftspflegeholz zu kämpfen und ist deshalb störanfällig - auch die Silo-Konstruktion für die Trocknung der Holzhackschnitzel erweist sich als nicht optimal. Insgesamt ist die Wartung und Pflege der Anlage aufwendig und so kippt die Bilanz der Genossenschaft ins Minus. Eine schwierige Situation, in der die Genossenschaft erneut den Kontakt zu NATURSTROM sucht.

Kooperation zwischen Genossenschaft und NATURSTROM

Gemeinsam findet sich schließlich eine Lösung. Zur Sanierung der Bilanz erwirbt NATUSTROM im Januar 2017 die Heizzentrale und übernimmt - ausgestattet mit reichlich Erfahrung - deren Betrieb, während die Genossenschaft weiterhin das Nahwärmenetz betreibt. „So wird, was als Bürgerenergieprojekt begann, auch weiterhin als Bürgerprojekt betrieben. Denn uns liegt sehr viel daran, dass die Ursprungsidee des Projekts erhalten bleibt.“, erklärt Thilo Jungkunz, Geschäftsbereichsleiter bei NATURSTROM. Um die technischen Probleme zu lösen, nimmt NATURSTROM Modifikationen vor - baut beispielsweise den Holzvergaser um und optimiert den Silo-Rost für eine effektivere Trocknung der Holzhackschnitzel. Außerdem erhält das Dach eine PV-Anlage mit 15 kWp.

Burkhardt Kolbmüller freut sich über diese Entwicklung. “Wir haben Lehrgeld bezahlt, aber jetzt sind wir auf einem guten Weg", resümiert der Genossenschaftsvorstand. Die NATURSTROM AG, auch Genossenschaftsmitglied in Bechstedt - habe sowohl das größere technische Know-how wie auch den besseren Marktzugang, etwa zu Holz oder Wärmetechnik, so Kolbmüller.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Nahwärme bzw. Bürgerenergie bei NATURSTROM.

Kontakt

Silke Bartolomäus

Büro Berlin
Kronenstr. 1
10117 Berlin

Tel 030 6832 819 - 55
silke.bartolomaeus
@naturstrom.de