Die EnergyEffizienz GmbH (E-Eff) gehört seit Sommer 2025 als 100-prozentige Tochter zur naturstrom AG. Wir haben die beiden Geschäftsführer Dr. Philipp Schönberger und Daniel Jung zum Doppel-Interview getroffen.
Hallo und vielen Dank für eure Zeit! Erzählt doch gerne mal: Wer seid ihr und was macht die EnergyEffizienz?
Daniel: Hallo liebe Cati! Vielen Dank für die Möglichkeit uns hier vorzustellen. Ich bin studierter Geograph (B.Sc.) und Umweltingenieur (M.Eng.). 2015 bin ich als Projektleiter zur EnergyEffizienz gekommen. Damals waren wir drei Festangestellte und zwei Hilfskräfte, sodass es bereits von Beginn an viel Gestaltungsspielraum für Philipp und mich gab. Das hat mir sehr gefallen. Es ist uns dann über die Jahre durch viel Engagement gut gelungen, uns zunächst in den Markt der Kommunalberatung einzufinden und dann dort zu etablieren. Seit 2019 bin ich Geschäftsführer.
Philipp: Hallo auch von meiner Seite! Ich war schon seit meiner Jugend sehr an Umweltthemen und Umweltpolitik interessiert. Studiert habe ich dann Politikwissenschaft mit Neben-/Wahlpflichtfächern VWL, Recht und Soziologie. Anschließend habe ich über kommunale Politik zum Ausbau erneuerbarer Energien promoviert. Am Wuppertal Institut und am IFEU-Institut habe ich erstmals an Klimaschutzprojekten mitgewirkt. Seit 2013 bin ich bei der EnergyEffizienz tätig, seit 2017 als Geschäftsführer. Hier konnte ich mit der Beratung für Kommunen zur Energiewende sehr gut thematisch anknüpfen.
Daniel: Das Kerngeschäft der E-Eff ist die Beratung von Kommunen zu Klima- und Energiethemen. Konkret entwickeln wir kommunale Wärmepläne, Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzepte und begleiten deren Umsetzung – von der Quartiersebene bis hin zu Landkreisen. Außerdem sind wir in den Feldern Umweltbildung und Energieforschung aktiv.
Philipp: Gemeinsam haben wir ein Team mit inzwischen 27 Mitarbeitenden aufgebaut. Von Energie- bzw. Umweltingenieurswesen und Bautechnik über Architektur, Geografie, Physik, Politik-, Wirtschafts- und Umweltwissenschaften bis hin zu Pädagogik haben wir eine ganze Bandbreite an Qualifikationen vertreten, die für eine erfolgreiche Arbeit in unserem Themenfeld wichtig sind. Mit so einem tollen Team zu arbeiten, mit lauter motivierten, fähigen und umgänglichen Personen, die wir selbst ausgewählt haben, ist ein außergewöhnliches Privileg, das ich sehr zu schätzen weiß.
Wie ergänzen sich naturstrom – insbesondere das Geschäftsfeld Urbanes Wohnen und Gewerbe – und die EnergyEffizienz?
Philipp: Wir als EnergyEffizienz haben einen starken Fokus auf die Erstellung von strategischen kommunalen Konzepten für Energie, Wärme und Klima, sowie auf die Begleitung der Umsetzung durch Beratung, Bürgerbeteiligung, Veranstaltungen und Aktionen. Das Geschäftsfeld Urbanes Wohnen und Gewerbe der naturstrom hingegen ist mehr auf die Beratung und Fachplanung für Wärme- und Stromversorgungskonzepte in Gebäuden und Quartieren sowie auf Contracting-Lösungen fokussiert. Wir sind im engen Austausch, werfen uns die Bälle zu und bearbeiten Anfragen potenzieller Kundschaft zum Teil sogar gemeinsam. In den letzten Monaten haben wir bereits viele Synergien heben können.
Philipp, hier eine globale Frage von Politikwissenschaftlerin zu Politikwissenschaftler: Was sind deiner Meinung nach die drei größten Herausforderungen für die Wärmewende hierzulande? Und wo siehst du die drei größten Chancen?
Philipp: Die größten Herausforderungen für die Wärmewende sehe ich in zunehmender Desinformation seitens politischer und medialer Akteure sowie der fossilen Lobby, einer zu geringen Priorisierung von Klimaschutz bei politischen Entscheidungen und Gewohnheitseffekten. Es fällt beispielsweise nicht leicht, auf eine Wärmepumpe umzusteigen, wenn man sich bislang mit einer Gas- oder Ölheizung immer sicher gefühlt hat, dass es warm wird.
Die größten Chancen für die Wärmewende sind aus meiner Sicht die technologisch gut entwickelten Alternativen für erneuerbares statt fossiles Heizen, der immer grünere Strommix – Stichwort Sektorenkopplung – und die zunehmende Zahl von guten Vorbildern, auch vor Ort in der jeweiligen Nachbarschaft. Wärmelösungen, die zugleich ökologisch und finanziell attraktiv sind – und dabei denke ich vor allem an die Wärmepumpe –, werden sich letztlich durchsetzen, zur Normalität werden und auch im politischen Raum die Widerstände überwinden.
Alle Kommunen in Deutschland sollen bis spätestens 2028 ihre Wärmeplanung vorlegen, große Kommunen mit über 100.000 Einwohner:innen bereits bis 2026. Mit der EnergyEffizienz habt ihr schon jetzt für über 240 Kommunen in Deutschland Wärmeprojekte erarbeitet. Was waren eure größten Learnings für erfolgreiche Wärmeprojekte in Kommunen?
Daniel: Was sich wirklich durchzieht wie ein roter Faden durch all unsere Projekte ist die Erkenntnis, dass das Erwartungsmanagement im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung extrem wichtig ist. Viele Kommunen haben großen Respekt davor, da sie befürchten, die Bürger:innen mit den Ergebnissen der Planung zu verunsichern. Hier ist von Beginn an eine gute Kommunikation unerlässlich. Auf welcher Flughöhe bewegt sich die Wärmeplanung? Welche Auswirkungen hat die fertige Planung auf mich? Diese Fragen müssen wir insbesondere gegenüber der Bürgerschaft, aber natürlich auch gegenüber weiteren wichtigen Playern wie Verwaltung, Kommunalpolitik und Stadtwerken fachlich fundiert beantworten. Nur so kann auch nach der Planerstellung erfolgreich weitergearbeitet werden.
Daniel, warum ist Energieeffizienz besonders im Gebäudebereich so wichtig?
Daniel: Energieeffizienz im Gebäudebereich ist besonders wichtig, da gleich mehrere zentrale Herausforderungen adressiert werden: Klimaschutz, Energieversorgung, Kosten und soziale Fragen. Wir haben bereits über 300 Energie- und Treibhausgasbilanzen für die unterschiedlichsten Kommunen erstellt, diese zeigen häufig ein ähnliches Bild: Die privaten Haushalte sind, sektoral betrachtet, anteilig die größten Energieverbraucher und haben zugleich meist einen sehr hohen Anteil an fossilen Energieträgern und sorgen somit für hohe CO2-Emissionen. Weiterhin spielt das Thema der Energieversorgung, insbesondere die Versorgungssicherheit, eine große Rolle für die privaten Haushalte. Das sind Themen, die z.B. auch im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung adressiert werden.
Mit einer Wärmepumpe beispielsweise hat man nicht nur die Möglichkeit, unabhängiger von Energieimporten und robuster gegenüber Versorgungskrisen zu sein, sondern senkt gegenüber der Nutzung einer Öl- oder Gasheizung auch seine CO2-Emissionen deutlich. Last but not least: Am Ende des Tages geht es auch immer um die Bezahlbarkeit. Im Zuge von stetig steigenden Preisen für fossile Energien und der CO2-Bepreisung werden klimafreundliche Technologien über kurz oder lang auch die günstigeren sein.
Wir haben kürzlich den ersten gemeinsamen Zuschlag von EnergyEffizienz GmbH und naturstrom AG für eine kommunale Wärmeplanung erhalten. Könnt ihr uns mehr über das Projekt für die Kommunale Allianz Aurach-Zenn erzählen?
Daniel: naturstrom betreibt bereits seit 2016 ein Nahwärmenetz in einer der Mitgliedskommunen der Allianz, Markt Erlbach. Somit waren Kontakt und regionale Kenntnisse bereits vorhanden. Da wir als EnergyEffizienz bereits für Kommunen aus sechs verschiedenen Bundesländern Wärmepläne erstellt haben, Bayern aber bisher nicht dazugehörte, hat dieses Projekt für uns einfach sehr viel Sinn gemacht. Somit haben wir nicht nur ein neues Bundesland als Referenz gewonnen, sondern können durch die gemeinsame Projektbearbeitung mit naturstrom auch auf regionale Kontakte und Know-how aufbauen.
Philipp: Seitens naturstrom wirkt in diesem Projekt auch die Abteilung Bürgerenergie und projektbegleitende Kommunikation mit. Hierbei freuen wir uns besonders auf die gemeinsame Organisation der Akteursbeteiligung, die ein zentrales Element jeder Konzepterstellung darstellt. Auf dieser Basis können wir dann für die einzelnen am Projekt beteiligten Kommunen praxistaugliche Lösungen und Handlungsempfehlungen entwickeln, mit denen sich die Akteur:innen vor Ort identifizieren können. So kann eine wertvolle Grundlage für die Umsetzung der Wärmewende in Aurach-Zenn entstehen.
Vielen Dank für das nette Gespräch! Wir freuen uns auf weitere spannende Projekteinblicke mit euch in der Zukunft.
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unterstützt naturstrom seit Februar 2023 in der politischen Kommunikation. Die Politikwissenschaftlerin war vorher bei der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF) zu den Themen Energieeffizienz und Wärmewende tätig.