In der Blogreihe „Auf ein Wort vor Ort“ wollen wir euch 2026 ganz persönliche Geschichten rund um unsere Öko-Energieanlagen und Produkte erzählen. Dazu suchen wir das Gespräch mit Leuten, die am nächsten dran sind: Schäfer:innen, Landwirt:innen, Bürgermeister:innen, Dorfvereine, Bürgerenergie-Gemeinschaften und viele mehr.
Passend zum Frühling geben wir im April einen Einblick in drei naturstrom-Solarparks, in denen in diesen Wochen unsere niedlichsten Flächenpfleger unterwegs sind: junge Lämmer und ihre Muttertiere. Obwohl die zuständigen Schäfer:innen gerade alle Hände voll zu tun haben, haben sie uns die häufigsten Fragen beantwortet, die uns immer wieder aus unserer Kundschaft erreichen.
Die Zeit rund um Ostern ist eine umtriebige Zeit bei allen Schafhalter:innen: Viele Lämmer müssen sicher zur Welt gebracht und im Anschluss mit ihrer Familie auf einer sicheren Weide untergebracht werden. Was eignet sich da besser als eine gut umzäunte Fläche, die auch noch Unterstände für die Tiere bietet? 😏
„Die Vorteile überwiegen ganz klar: Die Tiere haben Sonnen-, Wind- und Regenschutz. So gute Weideflächen bekomme ich sonst auch ganz schwer“, berichtet Karlheinz Luff, der seine Schafe schon seit über zehn Jahren auf dem naturstrom-Solarpark im fränkischen Merkendorf weiden lässt. Die Jungtiere kommen zwar in einem geschützten Stall zur Welt, hüpfen aber relativ zügig mit etwa 40 erwachsenen Tieren auf die „Solarweide“. Ab Ende März gibt es dort genug frisches, eiweißreiches Futter.
Etwas anders sieht es im brandenburgischen Petershagen aus, wo unsere derzeit größte Freiflächen-Photovoltaikanlage auf 73 Hektar steht. „Die Tierzahl muss dem Aufwuchs angepasst sein. Etwa 100 Tiere können ganzjährig auf der Fläche sein, auch im Winter. In den wärmeren Monaten habe ich bis zu 200 Tiere dort, die in abgesteckten Flächen den Solarpark systematisch abweiden“, erklärt Katrin Todt von der Naturschutzschäferei Katrin Todt.
Klare wirtschaftliche Vorteile – für alle Seiten
So ergeben sich zwei Hauptaufgaben für die in den naturstrom-Anlagen beschäftigten Schäfer:innen: Einmal den Pflanzenbewuchs unter den Modulen kurz zu halten, damit diese nicht verschattet werden. Eine maschinelle Mahd wäre zwischen den Aufständerungen zwar möglich, aber aufwendig und teuer. Die Schafherden sind da um einiges geduldiger und dennoch sehr effizient. Auf der anderen Seite müssen diese dort gutes Futter finden und sich wohl fühlen. Gerlind Brand aus Straußfurt beim Solarpark Henschleben spricht von einer „Win-win-Situation“: „Feste Pachtflächen bringen uns finanzielle Sicherheit für den Familienbetrieb. Als Betrieb der Initiative Tierwohl sind wir dort auch gut aufgehoben: zwar fressen die Schafe manche Wildkräuter wie die Brennnessel nicht, aber auf der artenreichen Wiese finden sie immer schmackhaftes Futter. Die Anlage ist auch sicher für die Tiere, die Kabel sind alle optimal verlegt und gesichert. Da gibt es eigentlich keine Möglichkeit zum Hängenbleiben.“
Schafe machen Solarparks sicherer
Die Verantwortlichen schauen täglich nach ihren Tieren. Besonders im Sommer müssen beispielsweise die Trinkmöglichkeiten regelmäßig aufgefüllt werden. Da das Frischfutter auf der Wiese aber natürlicherweise einen hohen Wassergehalt aufweist, ist die Wasserversorgung aber gar nicht so aufwendig wie meist angenommen. Über die „Augen vor Ort“ sind auch wir als Betreiber der Anlagen sehr dankbar. Obwohl an vielen Anlagen Kameras installiert sind, ist der tägliche Besuch ein wichtiger Sicherheitsaspekt: Er schützt vor potenziellem Diebstahl und die Schäfer:innen können melden, falls es Defekte oder andere Auffälligkeiten an der Anlage gibt.
Für die Betriebe ist die Zusammenarbeit ein gutes Aushängeschild für neue Möglichkeiten in der Landwirtschaft. Gerlind Brand hatte beispielsweise schon Besuch aus dem Thüringer Umweltministerium und von internationalen Vereinen: „Die sind immer begeistert, wie gut das funktioniert. Man kann nach außen zeigen, dass das eine gute Kombi ist. Sowohl für die Energiewende als auch den Naturschutz. Das schafft Akzeptanz, wenn zukünftig immer mehr Erneuerbare-Anlagen kommen“, meint die Diplom-Agrarökonomin.
Nutzen für die Biodiversität
Den Mehrwert für den lokalen Naturschutz sieht auch die Diplom-Ökologin Katrin Todt. Zusammen mit dem Naturschutzbeirat des Landkreis Märkisch-Oderland hat sie sich im Rahmen der ökologischen Baubegleitung für einzelne Maßnahmen stark gemacht. Auf einem Lagercontainer innerhalb der Anlage wurde auf ihren Vorschlag hin ein geschützter Nistkasten für den seltenen Wiedehopf angebracht. Der Vogel ist im Gebiet ansässig und wird durch den Dung der Tiere angelockt. Besonders gut gefällt ihr auch der Randstreifen, der als Ausgleichshabitat zwischen Straße und Solarpark angelegt wurde: „Hier können Kraniche gut anlanden, die hier in der Gegend ihr Brut- und Rastgebiet haben“. Auch andere Tiere wie Feldhasen, Kleinvögel und Turmfalken auf Nahrungssuche hat sie in Petershagen schon beobachtet.
Besonders freut uns, wenn uns die Schäfer:innen von Sichtungen seltener Arten auf den Anlagen berichten. Im fränkischen Merkendorf landen zwar selten Kraniche an, dafür ist Karlheinz Luff schon öfter das laut Roter Liste stark gefährdete Rebhuhn begegnet. „Für solche Vögel gibt es durch die intensive Landwirtschaft nur noch wenige Rückzugsräume. Im Solarpark finden sie Schutz. Die Schafe lassen sie in Ruhe, ihr Dung zieht Insekten als Nahrung für Vögel an und außerdem nutzen die Vögel die Wollreste gerne für den Nestbau.“
Stete Weiterentwicklung
Natürlich haben die drei Landwirt:innen auch Vorschläge, wie das Modell „Solarweide“ noch attraktiver werden kann. Schon beim Bau kann darauf geachtet werden, dass die Module hoch genug aufgeständert werden. Auch ein nahe gelegener Wasser- und Stromanschluss ist von Vorteil, um die Trinkwasserversorgung für die Tiere und die Stromzufuhr für die abgesteckten Elektrozäune zu gewährleisten. Durch weitere innovative Betriebsmodelle wie die Hühnerhaltung oder Agri-PV zur Nahrungsmittelproduktion würden sich sicher noch mehr Landwirt:innen als Energiewirt:innen begeistern lassen.
Für Projektierende und Betreibende von Erneuerbare-Energie-Anlagen sind vor-Ort-Partnerschaften wie diese mit lokalen Schäfer:innen unerlässlich. Sie sind die „Augen und Ohren“ sowie Ansprechpersonen rund um die Anlagen. Wir bedanken uns außerdem, dass sie uns bei Führungen und Veranstaltungen helfen, Erneuerbare Energien für Kund:innen und Bürger:innen ganz konkret erlebbar zu machen.
Wir wünschen eine gute Weidesaison! 🐑
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ist seit 2020 bei naturstrom und unterstützt das Team „Bürgerenergie & projektbegleitende Kommunikation“ seit 2022.