Kommunale Wärmeplanung: es kommt Bewegung in Deutschlands Wärmewende

03.07.2026

 – Caterina Marcucci

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Seit 2024 ist die Wärmewende gesetzlich verankert: In zwei Etappen sollen große und kleine Kommunen ihre Wärmeplanung erarbeiten und für die Öffentlichkeit transparent machen. Insgesamt setzt sich so ein großes Puzzle aus Wärmeplanungen für ganz Deutschland zusammen. Die Frist für Kommunen mit über 100.000 Einwohner:innen lief am 30. Juni 2026 ab. Zu diesem Anlass schauen wir kurz auf die aktuelle gesetzliche Lage und fragen: Wie schaffen wir schnell eine klimafreundliche, resiliente und bezahlbare Wärmeversorgung?

Zuerst eine positive Nachricht: 72 der 83 größten Kommunen in Deutschland sind rechtzeitig zum Stichtag fertiggeworden mit ihrer Wärmeplanung. Die restlichen elf stehen kurz vor Veröffentlichung. Kleine Kommunen, unter 100.000 Einwohner:innen, dagegen haben noch ein wenig mehr Zeit und müssen ihre Wärmeplanung bis Sommer 2028 vorlegen. Für Städte und Gemeinden mit weniger als 15.000 Einwohner:innen werden aktuell vereinfachte Wärmepläne diskutiert, doch schauen wir zunächst auf den Status Quo.

Viele Kommunen sind für die Erarbeitung der Pläne auf externe Profis und Fachbüros angewiesen, die tief in der Materie stecken. Unsere Unternehmenstochter EnergyEffizienz GmbH leistet genau das und unterstützt Kommunen durch Beratung und Planung.

Was ist die Funktion der kommunalen Wärmeplanung?

Grundsätzlich ist ein Wärmeplan als strategisches Planungsinstrument gedacht, er ist rechtlich unverbindlich und beinhaltet keine Pflicht, eine bestimmte Wärmeversorgungsart tatsächlich zu nutzen. Unter Robert Habeck und der Ampelregierung war vorgesehen, dass die Regeln des Gebäudeenergiegesetzes, wie beispielsweise die Vorschrift, dass neue Heizungen zu mindestens 65% mit Erneuerbaren Energien betrieben werden müssen, innerhalb der jeweiligen Kommune erst gelten, wenn eine Wärmeplanung vorliegt.

Mit der Anpassung und Umbenennung in Gebäudemodernisierungsgesetz, das sich zurzeit zur Verhandlung im Bundestag befindet, wird es hier absehbar allerdings Änderungen geben. Die Bundesregierung hat sich deshalb noch etwas Zeit gekauft und das Greifen des Gebäudeenergiegesetzes auf den 31. Oktober 2026 verschoben. Bis dahin soll das bislang stark kritisierte Gebäudemodernisierungsgesetz in Kraft getreten sein – wir werden berichten.

Die Richtung ist klar: klimafreundliche Wärme für zukunftsfähiges Heizen

Das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 ist schon lange klar und gilt natürlich auch für den Gebäudesektor. Mit dem Vorliegen der Wärmepläne für die großen Kommunen ist ein Schritt in die richtige Richtung getan und der Handlungsdruck leicht gestiegen. Die Verantwortlichen konnten sich einen strukturierten Überblick schaffen und das Thema Wärmewende in den Kommunen auf die Tagesordnung rücken. Teil der gesetzlichen Vorgaben zur Wärmeplanung ist die Veröffentlichung der Ergebnisse für die Allgemeinheit. So finden Bürger:innen beispielsweise den Wärmeplan von Berlin online einsehbar und thematisch aufbereitet.

Sobald ein Wärmeplan für die Kommune vorliegt, kommt es vor allem auf die Umsetzung an. Die Frage ist also: Wie schaffen wir schnell eine klimafreundliche, resiliente und bezahlbare Wärmeversorgung mit bereits vorhandenen Möglichkeiten?

Gemeinschaft zählt: Lösungen für Hauseigentümer:innen und Mieter:innen

Als Hauseigentümer:in kannst du selbst entscheiden, welche Heizungstechnologie du nutzen möchtest. Da es für den Heizungstausch im Bestand keine one-fits-all-Lösung gibt, empfiehlt sich eine – möglichst unabhängige – Energieberatung und eine sorgfältige Kostenkalkulation. Über eine gute Energieberatung, die auch zum Thema Förderung informiert, können Hauseigentümer:innen sich langfristig unabhängig von fossilen Energien machen und gleichzeitig mit dem Wechsel auf eine zukunftsfähige Technologie eine Wertsteigerung für ihre Immobilie erreichen. Beratung dazu gibt’s bei den Verbraucherzentralen. Für alle, die über eine ganzheitliche energetische Sanierung nachdenken und sich mit Gleichgesinnten austauschen wollen, hat beispielsweise co2online die Community VierWende ins Leben gerufen.

Als Mieter:in hast du dagegen weniger Einfluss, aber auch weniger Verantwortung. Wird beispielsweise ein Mehrfamilienhaus mit einem (Erdgas-)Blockheizkraftwerk beheizt, muss der oder die Vermieter:in bei einem anstehenden Heizungstausch eine gesetzeskonforme Lösung finden. Beim Anschluss an ein Wärmenetz hat auch der oder die Vermieter:in die Verantwortung weitergegeben: Der Wärmenetzbetreiber ist nun für die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zuständig. Auch Wärmenetze werden von der Bundesregierung gefördert: Die Bundesförderung effiziente Wärmenetze unterstützt indirekt Mieter:innen, die über den Anschluss ihres Hauses an ein (gefördertes) Wärmenetz von niedrigeren Heizkosten profitieren. Deshalb gilt auch für Mieter:innen: informieren, mit anderen Mieter:innen im Mehrfamilienhaus sprechen, Druck aufbauen. Das Signal an den oder die Vermieter:in muss klar sein: Die Wärmewende ist gewünscht und am Ende profitieren alle von stabilen Wärmepreisen und resilienter Technologie.

Für Engagierte: Wärme-Genossenschaften

Wer größere Lösungen für das Thema Wärmewende sucht, wird unter Umständen bei einer Genossenschaft fündig. Auf engage.jetzt findest du schnell und einfach Wege, dich für die Energiewende vor Ort einzubringen. Neben den vielen, aus Bürger:innenhand organisierten und finanzierten Projekten wie Solar- oder Windparks, gibt es auch Genossenschaften zum Bau von Nahwärme-Projekten. Besonders kleine Kommunen auf dem Land können sich mit einem eigenen Wärmenetz unabhängig von fossilen Brennstoffen machen, einen langfristig stabilen Wärmepreis für die Teilnehmenden umsetzen und nebenbei demokratische Teilhabe und die Idee der dezentralen Wärmewende fördern. Eine Genossenschaft gründet niemand im Alleingang – der erste Schritt ist immer, Mitstreiter:innen zu suchen und sich gemeinsam auf den Weg zu machen. Die Kommunale Wärmeplanung und die damit möglicherweise verbundene Entscheidung für ein lokales Wärmenetz braucht Gemeinschaften, die sich zum Vorteil aller für Lösungen im großen Stil einsetzen.

Fossilfreie Wärme ist Klimaschutz par excellence!

Abseits vom politischen Gerangel und medialer Berichterstattung darf man nicht aus den Augen verlieren, dass die Dekarbonisierung des Gebäudesektors ein zentraler Hebel für den Klimaschutz ist. Ohne Wärmewende werden wir die Klimaschutzziele und die 1,5°-Grenze nicht einhalten können. Die gute Nachricht: Die technologischen Möglichkeiten sind vorhanden und müssen nur noch flächendeckend eingesetzt werden. Also packen wir die Wärmewende gemeinsam an.

  • unterstützt naturstrom seit Februar 2023 in der politischen Kommunikation. Die Politikwissenschaftlerin war vorher bei der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF) zu den Themen Energieeffizienz und Wärmewende tätig.

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