Der Jahreswechsel bringt nicht nur viele gute Neujahrswünsche und -vorsätze mit sich, sondern vor allem auch die Frage: Was passiert eigentlich in den nächsten zwölf Monaten? Das beschäftigt uns auch bei naturstrom, natürlich vor allem mit Blick auf die Energiewende. Daher haben wir mal unsere Glaskugel rausgeholt und eine kleine Bingo-Karte für die energiepolitischen wie -wirtschaftlichen Entwicklungen 2026 erstellt. Wir sind schon gespannt, wie häufig wir richtig liegen bzw. wie schnell wir den Zettel voll haben werden. Spoiler: Nicht alle unsere Voraussagen sind besonders erfreulich …
Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen – von diesem geflügelten Wort haben wir uns nicht abschrecken lassen und eine kleine Zusammenstellung zur Entwicklung der Energiewende im Jahr 2026 erstellt. Zugegeben, ganz im luftleeren Raum ist diese Liste nicht entstanden. Die Vorhersagen basieren natürlich auf bisherigen Entwicklungen, politischen Vorschläge, die bereits diskutiert werden, sowie unseren langjährigen Erfahrungen im Energiemarkt. Auch wenn es bei diesem Prognose-Bingo natürlich darum geht, möglichst häufig recht zu haben, wären wir bei einigen Punkten sogar glücklich, wenn sie nicht eintreffen.
Nicht nur gute Aussichten
Eine besorgniserregende Entwicklung nimmt vor allem die weltweite Klimakrise. Leider ist es zuletzt schon zum Standard geworden, dass die globale Temperatur kontinuierlich steigt, dass die Jahresdurchschnittswerte zwar nicht jedes Mal einen neuen Rekord erreichen, dass aber das jeweils aktuelle Jahr schon immer zu den Spitzenreitern seit Beginn der Messungen gehörte. Angesichts der zuletzt weiter gewachsenen CO2-Emissionen wird uns das wohl auch in diesem Jahr wieder drohen. Auch wenn sich die Erderhitzung ein wenig verlangsamt hat, sind wir mit den bisher viel zu geringen Bemühungen beim Klimaschutz noch weit vom Höhepunkt der steigenden Temperaturen entfernt.
Da ist es natürlich besonders kontraproduktiv, dass viele der von der Regierung bislang vorgeschlagenen energiepolitischen Maßnahmen gerade in die falsche Richtung zielen. Sie drohen eher die Energiewende zu verlangsamen. Für die sicher im Jahr 2026 kommende EEG-Reform hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche beispielsweise eine Abschaffung der EEG-Vergütung für kleine Dachanlagen gefordert. Auch eine Verringerung der EEG-Ausbaupfade oder eine Einschränkung der Netzzugangsrechte werden debattiert. Beim Gebäudeenergiegesetz, das in Gebäudemodernisierungsgesetz umbenannt werden soll und dessen Reform die Regierungskoalition längst angehen wollte, sind ebensolche Rückschritte zu erwarten. So will die Unionsseite die Vorgabe, nach der neue Heizungen zu 65 Prozent erneuerbar sein müssen, und damit den entscheidenden Kern der Regelung abschaffen. Das droht, die ohnehin schon viel zu langsame Wärmewende weiter einzubremsen.
Marktdynamik der Energiewende beschleunigt sich
Trotz der eher schwierigen politischen Energiewende-Aussichten, hat die reale Entwicklung in Sachen Dekarbonisierung deutlich an Fahrt aufgenommen und wir erwarten hier auch eine weitere Beschleunigung. Das liegt zum einen an guten Rahmensetzungen durch die Ampel-Regierung wie auch an den bisherigen Gesetzesnovellen der aktuellen schwarz-roten Koalition. Zum anderen daran, wie stark die Kosten für Erneuerbare und begleitende Energiewende-Technologien gesunken sind. So hat etwa der Ausbau an Batteriespeichern enorm an Fahrt aufgenommen, wir erwarten das Überschreiten der 5 Gigawatt-Marke bei Großspeichern noch in diesem Jahr (2025 waren es ca. 2 GW). Auch die Wärmepumpe als zentrale Technologie der Wärmewende ist längst im Markt angekommen und angenommen – schon 2025 war es die beliebteste Heiztechnologie, das wird sich 2026 mit noch größerem Abstand wiederholen. Grundlage bleibt natürlich der Erneuerbaren-Ausbau und auch hier gibt es gute Nachrichten: Wir sehen 2026 ein neues Rekordjahr beim Windenergieausbau voraus, insgesamt werden wir die 60-Prozent-Marke beim Ökostrom-Anteil überschreiten.
Gemischte Aussichten, umso mehr volle Energie für die Wende
Die Energiewende lässt sich nicht mehr aufhalten, Wind und Solar, Elektroautos und Wärmepumpen sind einfach ökonomisch viel rentabler als die fossilen Pendants. Das gilt insbesondere für das Jahr 2026, in dem neue politische Weichenstellungen noch nicht oder nur begrenzt greifen können und so die zuletzt gezeigte Dynamik erst einmal weiter gehen kann. Auch mittelfristig bleibt die Energiewende der klare Kurs – die anstehenden gesetzlichen Festlegungen können aber durchaus bremsende oder weiter anschiebende Impulse liefern. Wir werden mit daran arbeiten, dass die eher negativen Prognosen nicht so eintreffen, auch wenn sie aktuell leider nicht auszuschließen sind. Denn unser Ziel bleibt, die Energiewende und damit eine moderne, kostengünstige und sichere Energieversorgung zu gestalten – und nicht einen möglichst vollen Bingo-Zettel zu haben. 😊
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Unterstützt seit Juli 2019 von Berlin aus die naturstrom-Pressearbeit. Schon lange Jahre überzeugter Energiewender, auch beruflich. Unter anderem zuvor bei der Agentur für Erneuerbare Energien mit Kommunikation zu einer nachhaltigen Energieversorgung beschäftigt.