Weiter geht’s mit der der Blogreihe „Auf ein Wort vor Ort“, in der wir euch 2026 ganz persönliche Geschichten rund um unsere Öko-Energieanlagen und Produkte erzählen. Hier im fünften Teil nehmen wir euch mit in die Welt der Wärme. Dabei denken die Meisten derzeit wohl eher an die sommerlichen Temperaturen draußen, aber tatsächlich haben unsere Kolleg:innen in der Wärmeerzeugung auch im Sommer alle Hände voll zu tun. Es wird zwar weniger geheizt, aber Warmwasser ist das ganze Jahr über gefragt und Industriebetriebe benötigen stets sichere Prozesswärme für ihre Produktion.
In dieser Ausgabe treffen wir Andreas Franke aus dem mittelfränkischen Markt Erlbach. Er ist nebenberuflich als Heizwärter an unserer größten naturstrom-Heizanlage tätig. Auch an sommerlichen Tagen wirft er regelmäßig ein Auge auf die Biomasse- und Solarthermie-Anlagen, damit die über 140 Haushalte und Einrichtungen stets mit Wärme versorgt sind.
Hallo Andreas! Du unterstützt uns bei der Nahwärmeversorgung in deinem Wohnort Markt Erlbach. Wie bist du denn zu der Position als Heizwärter gekommen?
Als Heizungsbaumeister bin ich thematisch nah dran an der Sache. Ich arbeite selbstständig als Energieberater für Wohngebäude und bin viel unterwegs. Als dann die Stelle von naturstrom hier bei uns im Ort ausgeschrieben war, habe ich mich gerne für die Nebentätigkeit entschieden, auch wegen meiner Familie.
Bist du schon zum Start des Projekts eingestiegen?
Der erste Teil des Nahwärmenetz und die kleine Heizzentrale sind ja schon 2019 in Betrieb gegangen, da war ich noch nicht dabei, aber mein jetziger Kollege Herbert. Mit der großen Erweiterung 2024 und dem Neubau der großen Heizzentrale mit der Solarthermie-Anlage hat dann eine Person vor Ort nicht mehr ausgereicht. Da wurde ein zweiter Heizwärter gesucht. Ich bin auch für die Nahwärme in Eschenbach zuständig, das ist ja gleich nebenan und hat die gleiche Technik verbaut wie das Heizwerk hier.
War die Solarthermie-Technik etwas ganz Neues für dich? Holzheizungen kennst du ja sicher gut als Heizungsbauer.
Damit hatte ich davor tatsächlich nicht so viel zu tun. An sich ist das eine super Sache: Die Solarthermie braucht in der Regel viel weniger Wartung und man muss sich weniger kümmern.
Warum braucht es zwingend jemanden aus der direkten Umgebung als Heizwärter?
Bei jedem Heizbetrieb, wo mit Biomasse wie Holzhackschnitzeln geheizt wird, braucht es eine regelmäßige Kontrolle, am besten immer morgens und abends. Es gibt immer was zu tun: Es werden Hackschnitzel angeliefert oder müssen mit dem Radlader transportiert werden. Fließt das Material vom Lager bis in den Heizkessel? Müssen die Aschebehälter entleert werden? Die naturstrom-Kolleg:innen können zwar alles aus der Ferne überwachen, aber ich kann die Handgriffe vor Ort vornehmen und Rückmeldung geben.
Wie sieht denn dein typischer Arbeitstag aus?
Ich drehe jeden Morgen meine Runde und schaue nach dem Rechten. Das sieht meistens so aus: Um 8 Uhr bringe ich meine Tochter in den Kindergarten und dann geht’s weiter nach Eschenbach, die Druckhaltung der Solarthermie und die Heizkessel kontrollieren. Das Gleiche mache ich dann noch in Markt Erlbach und dann geht’s wieder nach Hause, wo ich im Home Office weiterarbeiten kann. Ich habe ja noch meinen Job als Energieberater.
Montags, mittwochs und freitags mache ich außerdem regelmäßig die Kessel sauber. Es gibt zwar einen automatischen Asche-Austrag, aber die händische Reinigung ist viel gründlicher. In der Anlage gibt es auch Lichtschranken, die immer frei von Asche sein müssen, damit der Materialfluss der Holzhackschnitzel einwandfrei läuft, von der Förderschnecke bis in den Heizkessel.
Was sind die größten Herausforderungen im Arbeitsalltag?
Im Heizbetrieb passiert immer wieder Unerwartetes, damit muss man rechnen. Diesen Januar, als es besonders kalt war, ist plötzlich eine Ascheschnecke, ein wichtiges Bauteil, gerissen. Der große Heizkessel musste dann vorübergehend abgeschaltet werden und das Problem war, dass das Bauteil vom Hersteller erst nach zwei Wochen geliefert werden konnte. Aber zum Glück haben wir als Absicherung noch die kleine Heizzentrale mit den Holzpellet-Kesseln und die angeschlossene Honigfabrik hat noch eine eigene Notheizung. Im Winter ist eine stabile Versorgung das Allerwichtigste, da muss man auf alles vorbereitet sein.
Bist du dann auch in Notfällen erreichbar?
Den Bereitschafts- und Störungsdienst übernehmen die Betriebsleiter von naturstrom. Aber ich bin natürlich auch im Notfall erreichbar, um mir eine Störung schnell vor Ort anzuschauen.
Und welche schönen Momente hast du schon erlebt?
Auf der Solarthermie-Fläche sehe ich zwischen den Modulreihen immer wieder Hasen und auch Rehe, obwohl die Anlage ja innerhalb der Ortschaft ist. Die Rehe sind dort auch mit ihren Kitzen unterwegs. Unter den Modulen gefällt es ihnen anscheinend ganz gut, sie finden da Schutz und gutes Futter. Das ist schon schön zu beobachten, dass die Tiere zu uns auf die Anlage kommen.
Und was meinst du: Was ist in Deutschland die Zukunft des Heizens?
Das ist stark davon abhängig, welche Technologien staatlich gefördert werden. Da sehe ich momentan die Wärmepumpe ganz weit vorne, besonders in Kombination mit Photovoltaik macht das in Wohngebäuden wirklich Sinn. Heizen mit Öl und Gas ist eigentlich nicht mehr aktuell und wird durch steigende CO2-Kosten auch immer teurer. Insgesamt macht das Nutzerverhalten auch viel aus. Deswegen berate ich meine Kunden auch zu Effizienzmaßnahmen, um langfristig Heizkosten zu sparen.
Dann hoffen wir, dass wir die Wärmewende gemeinsam mit dir ein kleines Stück voranbringen können. Wir freuen uns, dich als Kollegen vor Ort zu haben und bedanken uns für die Einblicke in deinen Arbeitsalltag.
-
ist seit 2020 bei naturstrom und unterstützt das Team „Bürgerenergie & projektbegleitende Kommunikation“ seit 2022.