Auf ein Wort mit dem Maschinenring Franken, Flächenpfleger

23.03.2026

 – Franziska Mehrbach

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In der Blogreihe „Auf ein Wort vor Ort“ wollen wir euch 2026 ganz persönliche Geschichten rund um unsere Öko-Energieanlagen und Produkte erzählen. Dazu suchen wir das Gespräch mit Leuten, die am nächsten dran sind: Schäfer:innen, Landwirt:innen, Bürgermeister:innen, Dorfvereine, Bürgerenergie-Gemeinschaften und viele mehr.

Im dritten Teil treffen wir Stephan Spitzer und Ralf Wagner. Sie sind Geschäftsführer der Maschinenring Franken GmbH in der Geschäftsstelle Regnitz-Franken. Mit naturstrom verbindet sie der Bürgersolarpark Uttenreuth, für den sie seit 2014 die naturschutzgerechte Flächenpflege übernehmen. Als langjährige Partner kennen sie das Gelände und seine Tier- und Pflanzenarten ganz genau.

Fangen wir grundsätzlich an: Was machen Sie beim Maschinenring Franken eigentlich?

Spitzer: Klassische Maschinen- und Betriebshilfsringe sind Partner für landwirtschaftliche Betriebe. Sie unterstützen diese mit Betriebshelfern oder Maschinenverleih. Solche Vereine sind schon seit über 60 Jahren in ganz Deutschland aktiv.

In Franken haben wir seit 23 Jahren eine Tochtergesellschaft: die Maschinenring Franken GmbH. Mit ihr bieten wir gewerbliche Dienstleistungen an, um unseren Mitgliedern einen Zuerwerb zu ermöglichen. Dann können sie sich zum Beispiel durch Winterdienst etwas dazuverdienen.

Wagner: Zuerwerb für unsere Landwirte zu schaffen, ist auch satzungsgemäß Aufgabe des Maschinenrings. Daher vermitteln wir auch Aufträge außerhalb der klassischen Landwirtschaft.

Mit der Arbeit des Maschinenrings sind Sie also sehr regional unterwegs – woran denken Sie da, wenn Sie „Energiewende vor Ort“ hören?

Spitzer: Zurzeit sind viele Solar- und Windparks in der Planung und Umsetzung. Jetzt auch wieder vermehrt Bioenergie-Heizwerke. Als Partner der Landwirtschaft bekommen wir das auch mit. Da wird dann Fläche gebraucht – oder Holz. Oft auch beides.

Ralf Wagner ist sowohl Geschäftsführer des Maschinen- und Betriebshilfsring Regnitz-Franken e.V. als auch der MR Maschinenring Franken GmbH © MR Maschinenring Franken GmbH
Ebenfalls aktiv in der Geschäftsführung von Verein und GmbH: Stephan Spitzer © MR Maschinenring Franken GmbH

Wagner: Bei der Energiewende vor Ort ist die Landwirtschaft über die Flächen oder die Eigentümer eigentlich immer mit dabei. Egal ob bei Photovoltaik-, Wind- oder anderen Projekten. Und wo die Landwirtschaft dabei ist, sind wir nicht weit. So nehmen wir etwa bei Solarparks die Ausgleichspflanzungen vor oder organisieren die Schafbeweidung.

Der Solarpark Uttenreuth ist eine der Anlagen, für die Sie die Flächenpflege verantworten. Wie sieht das im Detail aus?

Wagner: Schafbeweidung ist dort zum Beispiel ausgeschlossen. Die ganze Fläche liegt nämlich in einem Wasserschutzgebiet.
Spitzer: Für die Geräte, die wir einsetzen, nehmen wir daher auch pflanzliche und keine mineralischen Öle als Schmiermittel und Kraftstoff. Das ist ein Öko-Mix ohne Benzole und ist sowohl für die Arbeitsgesundheit als auch für die Natur sinnvoll.

Das heißt, Sie nehmen besondere Rücksicht auf ökologische Kriterien?

Spitzer: Ja, zusammen mit den Landwirten und den Landschaftspflegeverbänden betreuen wir sehr viele Biotope mit ganz eigenen Voraussetzungen, nach denen wir uns richten. Der Buckenhofer Forst nahe dem Solarpark Uttenreuth etwa ist Heim für viele Arten, auf die wir Rücksicht nehmen. Und auch auf dem Parkgelände selbst sorgen Hecken und Feuchtbiotope für einen vielfältigen Lebensraum.

Außerdem orientieren wir uns dort bei der Mahd unter den Modulen an den Schutzzeiten für Bodenbrüter. Im Sommer lassen wir die Fläche für einige Monate ruhen, damit die Tiere nicht gestört werden.

An den Feuchtbiotopen auf dem Gelände fühlen sich unter Anderem Frösche und Libellen wohl © naturstrom AG/Berkant Ormanci

Wagner: Die Fläche ist zwar eingezäunt, aber wir haben auch schon größere Tiere wie Rehe beobachtet. Es gibt viele Ecken abseits von den Modulen, die der Natur überlassen sind, da muss auch nichts gefällt oder gemäht werden.

Ein Reh springt durch das Gebüsch auf der Freiflächenanlage © naturstrom AG/Berkant Ormanci

Nehmen Sie uns doch einmal mit zu den Einsätzen: Welche Arbeiten fallen über das Jahr an?

Spitzer: In erster Linie fahren wir vier bis fünfmal im Jahr auf die Anlage, um zu kontrollieren, ob durch den Bewuchs eine Verschattung der Module gegeben ist.

Ein Problem bei der Grünflächenpflege ist der japanische Staudenknöterich. Eine invasive Art, die sich extrem schnell ausbreitet und wirklich alle paar Wochen entfernt werden muss. Das ist sehr ärgerlich.

Einen Mähgang machen wir im Mai oder Juni, wenn der größte Bewuchs da ist. Da wird dann einmal komplett gemäht und dann im Jahresverlauf geschaut, ob nochmal Bedarf ist. Das Mahdgut belassen wir meist auf der Fläche. Wenn wir Hecken schneiden, schichten wir das Astwerk auf, um für Kleinlebewesen Rückzugsorte zu bieten.

 Gefiederte Solarparkbewohner

Der Solarpark Uttenreuth befindet im EU-Vogelschutzgebiet „Nürnberger Reichswald“, in dem die Heidelerche heimisch ist. Sie gilt laut der Roten Liste Bayern als stark gefährdeter Brutvogel. Daher findet ein regelmäßiges Monitoring statt, das auch weitere schützenswerte Vogelarten erfasst. Im Sommer 2025 lebten folgende gefährdete Arten im Solarpark:

🐦 Dorngrasmücke

🐦 Goldammer

🐦 Kuckuck

🐦 Neuntöter

🐦 Stieglitz

🐦 Und natürlich die Heidelerche (sogar vier Brutpaare)

Welche anderen Tiere noch im Solarpark wohnen, lest ihr auch in unserem Beitrag.

Schön, dass hier an die Solarparkbewohner gedacht wird. Gibt es Herausforderungen bei der Pflege?

Spitzer: Im Fall Uttenreuth sind die Modultische sehr nah beieinander, sodass wir fast 95 Prozent per Hand mähen müssen. Unter den Modulen gibt es zwar eine ebene Fläche, aber in den Randbereichen auch ziemlich viele Löcher und Unebenheiten, die den Einsatz von großen Maschinen schwierig machen. Mittlerweile haben wir da einen festen Trupp von Landwirten, der sich mit dem Gelände und den Besonderheiten auskennt.

Was denken Sie, welche Flächen für die Nutzung von Erneuerbaren Energien besonders geeignet sind?

Spitzer: Als Partner der Landwirtschaft plädieren wir natürlich dafür, dass zuerst solche Flächen wie in Uttenreuth für Solarenergie genutzt werden. Immerhin befinden wir uns in Uttenreuth auf einem ehemaligen Militärgelände mit Überresten von Bunkeranlagen. Der Solarpark steht daher beispielhaft für eine Sanierung und Aufwertung von vorbelasteten Flächen wie Militärgelände oder Deponien.

Neben solchen Gebieten sollten wir vor allem die vielen noch ungenutzten Dachflächen nutzen, um Strom aus Photovoltaik zu erzeugen.

Wagner: Auf ertragsreichen Böden werden die Landwirte weiterhin Lebensmittel produzieren, das ist klar. Aber auch die Stromproduktion bietet ein neues Einkommen für Flächeneigentümer. Einnahmen aus der Verpachtung können den Betrieb gut ergänzen.

Spitzer: An sich ist auch nichts Schlimmes dabei, wir brauchen Flächen für die Energieerzeugung. In der Zukunft kann sich die Nutzung auch wieder ändern, wenn zum Beispiel eine Solaranlage oder ein Windrad zurückgebaut wird.

Was ist Ihrer Meinung nach noch ausschlaggebend, damit partnerschaftliche Energieprojekte wie der Bürgersolarpark Uttenreuth gut gelingen?

Wagner: Die Eigentümer sind unserer Erfahrung nach meistens zufrieden, wenn sie ihre Flächen für Energieprojekte verpachten. Für die Akzeptanz vor Ort ist es notwendig, dass sich Anwohnerinnen und Anwohner bestenfalls auch beteiligen können oder mitbekommen, wie viel Geld etwa über Beteiligung oder Gewerbesteuer in ihre Gemeinde fließt.
Spitzer: Wenn man beteiligt ist, freut man sich dann auch, wenn die Sonne scheint oder sich das Windrad dreht.

Herr Spitzer, Herr Wagner, vielen Dank für die Einblicke in die vielfältige Arbeit des Maschinenrings. Und auf hoffentlich weitere Projekte mit Bürgerbeteiligung und naturschonender Pflege!

  • ist seit 2020 bei naturstrom und unterstützt das Team „Bürgerenergie & projektbegleitende Kommunikation“ seit 2022.

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